AOC Ventoux – Das Weinanbaugebiet an der Rhône in Frankreich

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Wenn man an die Rhône in Frankreich denkt, kommen einem Begriffe wie Côte Rotie, Hermitage, Chateauneuf-du-Pape und sicherlich noch einige andere in den Kopf. Ventoux gehörte zumindest bei mir selber bis dato noch nicht dazu. Zwar hat man mal von dem Mont Ventoux gehört, aber Wein habe ich aus der Region noch nicht (bewusst) getrunken. Umso spannender war der Besuch vor Ort in einem Gebiet, was zwar bei den meisten wohl noch weniger bekannt ist, aber trotzdem ein gutes Potenzial besitzt.

AOC Ventoux – wo genau liegt das?

Ventoux ist eine von fast 30 Appelationen in dem Gebiet der Rhône in Frankreich. Die Appelation liegt im südlichen Teil der Rhône und am Fuße des Mont Ventoux. Bis 2008 war der offizielle Name Côtes du Ventoux, wurde dann aber zur Vereinfachung und nur Ventoux geändert. Im Norden grenzt das Gebiet des AOC Ventoux an die bekannten Appelationen Gigondas und Vaqueyras, im Westen an Châteauneuf-du-Pape. Grundsätzlich gehört das Gebiet nicht nur in der Rhône sondern auch gesamt in Frankreich zu den südlicheren Weinanbaugebieten. 

AOC Ventoux in dem südlichen Rhône Gebiet (© Inter Rhône – Website)

Das Klima der Côtes du Ventoux

Grundsätzlich hat der südliche Teil der Rhône ein eher mediterranes Klima, welches im Sommer Temperaturen von 35-40 Grad tagsüber erreichen kann. Die Winter sind eher mild und das gesamte Rhône Tal wird von dem sogenannten Mistral Wind beeinflusst. Das Klima in der Côtes du Ventoux ist im Vergleich zu anderen Gebieten in der Rhône etwas spezieller, da die Nähe zum Mont Ventoux starken Einfluss auf das Weinanbaugebiet nimmt. Auf der einen Seite ist die Region viel weniger vom Mistral Wind betroffen. Auf der anderen Seite kühlt es durch die höhere Lage und die Nähe zum Mont Ventoux in der Nacht stark ab, wodurch eine ausgeprägte Säure in den Weinen erhalten bleibt. Gerade für warme Anbaugebiete ist dies sehr wichtig, da die Reife der Trauben sonst zu kräftige Weine produziert, die aufgrund ihrer Konzentration und des hohen Alkoholgehalts schwer zu trinken wären. 

Die Rebsorten und Weine der Ventoux Region

Der Süden der Rhône ist bekannt für seinen Rotwein und für seine Blends. Das heißt man findet hier nur äußerst selten reinsortige Weine aus einer Rebsorte. Üblicher und auch in den Regeln des AOC festgelegt sind Cuvées aus verschiedenen Rebsorten. Für Rotweine sind die Hauptrebsorten Grenache, Syrah, Cinsault, Mourvèdre und Carignan. Bei den Weißweinen handelt es sich bei den Hauptsorten um Bourboulenc, Clairette, Grenache Blanc und Roussane, wobei wir auch schöne Weine aus Vermentino und Viognier probieren konnten. Grundsätzlich kann man sagen, dass gerade die Säure eine tragende Rolle im Ventoux spielt. Durch die oftmals stark ausgeprägte Säure werden Rotweine – vor allem auch kräftigere Vertreter – früh trinkfreudig und Weißweine zu erfrischenden Essensbegleitern oder zur anregenden Erfrischung im Sommer.

Man merkt aber auch, dass das Gebiet sich nicht allein auf die Säure und Trinkfreudigkeit der Weine reduzieren lassen will und so probieren sich einige Winzer aus, vermehrt Weine aus Syrah zu produzieren. Normalerweise findet man Syrah primär im Norden der Rhône. Im Süden spielt Syrah eigentlich eher nicht die Hauptrolle in einem Rotwein-Cuvée, sondern muss traditionell dem Grenache weichen. Das speziellere Klima mit kühlen Nächten bietet aber auch ein gutes Umfeld für Syrah und so findet man immer öfters Syrah als Hauptbestandteil in einem Rotwein. Mir persönlich gefällt das sehr gut, da der Syrah für mich etwas eleganter ist als Grenache und die Weine gezeigt haben, dass man in der Côtes du Ventoux auch mit dieser Rebsorte punkten kann.

Die Winzer in der AOC Ventoux

Jetzt wird es spannend. Zwar besteht die Appelation schon seit den 70ern, aber hat wahrscheinlich aufgrund ihrer doch sehr berühmten Nachbarn noch keine internationale Bekanntheit erlangt. Aktuell bietet das viele Vorteile für die Winzer. Das französische AOC System will durch die Abgrenzung der verschiedenen Gebiete einen gewissen Qualitätsstandard definieren. Gerade bei den sehr bekannten Regionen wie z.B. Chateauneuf-du-Pape oder Côte Rotie sind diese Regeln sehr strikt. Ventoux bietet hier (noch) mehr Flexibilität und ist gerade so für junge Winzer oder Quereinsteiger mit Innovationsdrang eine Region, welche viele Chancen bietet. Sicherlich spielen auch die (noch) erschwinglichen Preise für Land eine große Rolle. Für einen Hektar zahlt man in Ventoux noch etwa 20.000€, wohingegen in den bekannteren Gebieten schnell einmal das 5-fache oder noch mehr für die gleiche Größe verlangt werden.

Matthieu Ponson von Domaine de Piéblanc

Bei meinem Besuch habe ich dementsprechend viele Winzer getroffen, welche sich erst seit ein paar Jahren vollständig dem Wein verschrieben und hier im AOC Ventoux eine perfekte Grundlage für den Aufbau eines neuen Weinguts gefunden haben. Gerade das besondere Klima im Vergleich zu den Gebieten, die näher an dem Rhône Fluss liegen, bietet vielen Winzern auch die Möglichkeit sich etwas zum Rest der südlichen Rhône zu differenzieren und somit hatte ich des öfteren des Gefühl, dass sich gerade die Neu-Winzer hier nicht nur aufgrund des Preises sondern auch aufgrund des großen Potenzials, was sie in der Region sehen, sehr bewusst für Ventoux entschieden haben.

Für wen sind die Weine aus Ventoux etwas? Mein Fazit:

Weine aus dem AOC Ventoux bieten vor allem oftmals eine schöne Trinkfreude, die gerade bei den Rotweinen nicht zu unterschätzen ist. Durch die noch etwas geringere Bekanntheit der Region findet man hier gerade in Sachen Preis-Leistung Weine, die anderswo an der Rhône bzw. in Frankreich sicherlich für ein Vielfaches des Preises verkauft werden würden. Damit ist man dann schon auf einem sehr hohen Level – wo gibt es sowas noch in Frankreich? Gerade bei den Weißweinen kann die Säure, welche Rotweine schneller zugänglich macht, zu dominant werden. Um sich der Region zu nähern würde ich mich primär auf Rotweine konzentrieren. Hier finden Weinliebhaber, die dunkel-fruchtige Rotweine mit einem etwas kräftigeren Körper mögen sicherlich den ein oder anderen passenden Wein. Diese haben zwar ein gewisses Alkohollevel (14% plus), aber sind keine rein marmeladigen Alkoholbomben und lassen sich oftmals auch jung schon sehr gut aufgrund der ausgeprägten Säure trinken. Im Weißwein Bereich sollte man definitiv kein Problem mit Säure haben, da die Weine sonst schnell sehr anstrengend werden können, wenn man nicht genau weiß auf was man sich einlässt. Sicherlich findet man hier auch besondere Weine, aber für mich waren die Weißweine in den meisten Fällen doch eher einfach grundsolide Vertreter mit viel Säure, die erfrischen, fruchtig sind, aber keine Welten bewegen. 

Wein im besonderen Licht @ Château Pesquié

Ventoux Wein – meine Empfehlungen:

Ich hatte das Glück in der kurzen Zeit neun verschiedene Weingüter und deren Weine kennenzulernen. Herausgestochen haben für mich folgende Winzer: 

  • Domaine de Piéblanc – La Barre: Für mich eins der Highlights der Reise. Ein extrem eleganter Rotwein, welcher aus 95% Syrah besteht. Leider ist die Produktion aktuell auf 1,500 Flaschen pro Jahr beschränkt. Gefunden für 20,40€ auf Les Grappes
  • Château Pesquié –  Artémia‘ Ventoux 2016: Wir haben hier auch den 2010er probiert, welcher auch gerade für den Wein nochmal das Reifepotenzial unterstreicht. Gefunden für 27€ auf Wine in Black.
  • Château Valcombe – Grande Serène 2016: Syrah von 60-Jahren alten Rebstöcken. Limitiert auf 3,000 Flaschen. Gefunden für 42€ auf Weinhandlung Bacchus
Mein persönliches Highlight vom Château Valcombe im neuen Jahrgang

Disclaimer: Lucas wurde von dem Verband Inter Rhône eingeladen 5 Tage im Rhône Gebiet – speziell in den Regionen Ventoux und Luberon zu verbringen. Inter Rhône hat dabei alle Besuche bei Weingütern organisiert und die Kosten für die gesamte Reise übernommen. Der Artikel spiegelt trotz dessen die alleinige Meinung des Autors wieder und ist nicht durch die Einladung in der Bewertung beeinflusst worden.

Lucas ist in Rheinhessen, dem größten Weinanbaugebiet Deutschlands aufgewachsen und hat schon in seiner Kindheit die ein oder anderen Ferien auf dem Weingut seiner Patentante bei der Traubenlese mitgeholfen. Nach der Schule folgte ein Studium im Rheingau, wo die Liebe zum Wein immer weiter wuchs. Als Student arbeitete er nebenbei im Weingut Balthasar Ress und führte einen kleinen eigenen Weinhandel. Seit 2014 lebt Lucas in Berlin, verfolgt den Weg des Court of Master Sommeliers, arbeitete kurz in der Sterne-Gastronomie und hat nie aufgehört sich weiterzubilden - also viel guten Wein zu trinken.